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Kategorie: Allgemein

Nachtrag: Don’t call it Ho-Chi-Minh-City!

Wir sind in Saigon. Das ist wichtig zu betonen, denn andere fahren nach Ho-Chi-Minh-City, wie die Stadt inzwischen eigentlich heißt, doch wir fahren nach Saigon. Lisas Eltern sind 1979 mit dem Boot geflohen. Vor dem sozialistischen Regime, das Saigon und damit Südvietnam im April 1975 eingenommen hat, vor den Umerziehungslagern, vor der Armut, die Jahrzehnte des Krieges hinterließen, vor neuen Kriegen mit China und Kambodscha, für die junge Männer im ganzen Land eingezogen wurden. Deswegen ist für sie Ho-Chi-Minh kein kultiger Onkel der Nation und eine Reise in ihr Geburtsland immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, denn die sozialistische Propaganda ist an jeder Straßenecke sichtbar. Lisas Vater ist mit 21 auf eigene Faust geflohen, da war sein Bruder, bei dem wir in Saigon zu Besuch sind, gerade 10 Jahre alt. Inzwischen sind er und seine Frau durch mehrere Modeläden und Immobiliengeschäfte wohlhabend und können sich ein geräumiges Haus…

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Folgenschwere Weichenstellung

Wenn ich an unsere letzte Fahrt im Wiedervereinigungsexpress vor vier Jahren denke, habe ich eigentlich ausschließlich positive Erinnerungen: Einzelsitze, Beinfreiheit, ein angenehm klimatisiertes Abteil, der Sonnenaufgang zwischen Bergen und Meer, das eigentümliche, aber irgendwie auch unterhaltsam-skurrile Rail-TV, das ab 6 Uhr morgens den gesamten Waggon beschallte. Womöglich war ich es, der aufgrund dieser nostalgischen Erinnerungen zur treibenden Kraft in der Planung wurde, auch diesmal einen Teil der Reise auf der berühmten Zugstrecke zu absolvieren, die den Norden und den Süden Vietnams verbindet. Ich wurde jedenfalls bereits mit Chatprotokollen konfrontiert, die diesen Schluss nahelegen könnten und aller Voraussicht nach vor dem Reisetribunal gegen mich verwendet werden. Elf Stunden Fahrt über Nacht von Da Nang nach Nha Trang, was kann da schon schief gehen… Was soll ich sagen?  In diesem Fall hatte ich mit meiner Bewerbung des Reisemittels die Weichen für ein mittelschweres Fiasko gestellt. Im Nachhinein kann man natürlich schlaumeierisch feststellen,…

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G.I. Joe im Dschungelfieber

Der Pfad ist schlammig und rutschig. Steil bergauf und wieder bergab führt er uns durch den vietnamesischen Dschungel. „Watch out! Poison Ivy left and right!“ Dong, einer der Guides, hatte uns zuvor eindringlich vor der Pflanze gewarnt. Unter den harmlos aussehenden Blättern verstecken sich winzige Härchen, die sich beim Berühren tief in die Haut bohren und mehrere Wochen für Reizungen und Schwellungen sorgen. Eine Babo-Brennessel sozusagen. Der Dschungel, durch den wir uns hier schlagen, ist kein touristisch aufbereiteter Show-Dschungel, sondern ein amtlicher Fiese-Pflanzen-Dschungel. So wie man sich das thrillsuchender Wessi-Touri eben wünscht. Durch mein Suchten von Dokus über den Vietnamkrieg muss ich bei dieser Umgebung unweigerlich an die amerikanischen und vietnamesischen Soldaten denken, die sich mit Ausrüstung und Verpflegung beladen über solche Pfade schleppten. Wie sinnlos Krieg ist, merkt man spätestens hier, wo Menschen diese Landschaften mit Todesangst durchqueren mussten, ohne die unfassbare Schönheit dieser Natur genießen zu können. Also,…

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