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Der letzte Backpacker

Nha Trang ist ein Loch. Das war vor vier Jahren so und daran hat sich seitdem nicht viel geändert. Einzig: Es ist noch schlimmer geworden. Noch mehr Betonklötze, die sich entlang der Promenade drängen; noch mehr wild blinkende Fassaden; noch mehr Touristen; noch mehr Touristen abzockende Straßenhändler. Inzwischen kommen die meisten Touristen jedoch nicht mehr aus Russland, sondern aus China. Das zeigt sich auch an den unzähligen grell leuchtenden Schildern für Hotels, Restaurants und Beautysalons (aus mehr besteht der Ort auch eigentlich nicht), die neben Vietnamesisch und Russisch mittlerweile auch in Chinesisch um Aufmerksamkeit wetteifern. Weitere riesige Hotels sind nahezu fertiggestellt, hunderte Zimmer mit Meerblick erweitern das ohnehin schon große Angebot. Verständlich, einen Stadtblick kann man hier wirklich niemanden zumuten. Wenn diese Stadt jemals eine Seele hatte, dann wurde sie inzwischen längst an den Tourismus verkauft.

Bei unserem letzten Aufenthalt hier war diese Entwicklung bereits absehbar, aber noch nicht so weit fortgeschritten. Es gab noch deutlich mehr kleine Bars mit einem gewissen Charme und angemessenen Preisen, in denen sich Backpacker aus verschiedenen Teilen der Welt tummelten. Als wir jetzt in einer aufpolierten Rooftop-Bar unseren Schlummertrunk zu uns nehmen wollen und um uns herum junge Chinesen einen Lachgas-Luftballon nach dem anderen weginhalieren, schwankt er in den Raum: Ein junger Mann, Surferlook, halblange gelockte Haare, eine hölzerne Kette um den Hals, Tanktop, kurze Hose, Flip-Flops, stoned bis in Haarspitzen – ein Exemplar der Backpackergattung, wie es im Reiselexikon steht. Ist er der letzte seiner Art in einem lebensfeindlichen Habitat?

Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir überhaupt hier sind, wenn wir doch eigentlich um die Auswüchse dieses Ortes wissen. Zum einen ist Nha Trang auf der Nord-Süd Route günstig gelegen, um von Hoi An/Da Nang auf dem Weg Richtung Saigon einen Zwischenstopp einzulegen. Zum anderen sind in der Nähe viele schöne Strände und Inseln, die leicht zu erreichen sind. Dementsprechend entfliehen wir lieber der Stadt und lassen unsere Seelen baumeln. Anders als Nha Trang haben wir noch eine.

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