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G.I. Joe im Dschungelfieber

Der Pfad ist schlammig und rutschig. Steil bergauf und wieder bergab führt er uns durch den vietnamesischen Dschungel. „Watch out! Poison Ivy left and right!“ Dong, einer der Guides, hatte uns zuvor eindringlich vor der Pflanze gewarnt. Unter den harmlos aussehenden Blättern verstecken sich winzige Härchen, die sich beim Berühren tief in die Haut bohren und mehrere Wochen für Reizungen und Schwellungen sorgen. Eine Babo-Brennessel sozusagen. Der Dschungel, durch den wir uns hier schlagen, ist kein touristisch aufbereiteter Show-Dschungel, sondern ein amtlicher Fiese-Pflanzen-Dschungel. So wie man sich das thrillsuchender Wessi-Touri eben wünscht.

Durch mein Suchten von Dokus über den Vietnamkrieg muss ich bei dieser Umgebung unweigerlich an die amerikanischen und vietnamesischen Soldaten denken, die sich mit Ausrüstung und Verpflegung beladen über solche Pfade schleppten. Wie sinnlos Krieg ist, merkt man spätestens hier, wo Menschen diese Landschaften mit Todesangst durchqueren mussten, ohne die unfassbare Schönheit dieser Natur genießen zu können. Also, so neben dem Leid, Tod und Verderben und was sonst so alles bei Kriegen noch dazukommt. Ich, G.I.-Joe, bin in diesem Fall mit Kamera bewaffnet unterwegs und kämpfe nur mit den viel zu kleinen Schuhen, die ich für die Tour ausleihen musste.

10km wandern durch den Dschungel, klettern und schwimmen durch zwei Höhlen – diese Tour im weitläufigen Phong Nha-Ke Bang Nationalpark wird nur von einer Organisation mit kleinen Gruppen durchgeführt. Die lokale Bevölkerung profitiert von den Touren durch verschiedene soziale Projekte. Unter anderem wurden in den vergangenen Jahren über 30 Floating Houses gebaut, kleine Hütten auf einem Fundament aus leeren Fässern. Wenn in der Regenzeit das Wasser in den Tälern auf bis zu fünf Meter ansteigt, können die Dorfbewohner dort übergangsweise leben und ihre Lebensmittel trocken aufbewahren. Viele arbeiten inzwischen selbst für die Organisation, wie die beiden jungen Männer, die das leichte Tagesgepäck unserer Gruppe transportieren. Während sie mit Rucksack und Schlappen über die Pfade hüpfen, müssen wir bei jedem Schritt aufpassen, um nicht auszurutschen. Kein Wunder, wir haben unsere Kindheit mit Gogo-Spielen und Fifa 98 verbracht und nicht mit Fangenspielen im Dschungel. Neben der wirklich beeindruckenden Landschaft direkt vor der Haustür können sich die beiden über eine weitere Annehmlichkeit erfreuen: Ein flüchtiger Blick auf das Handy zeigt, dass sogar am Rande des Dschungels noch einwandfreies Mobilfunknetz besteht. Anders als in deutschen urtümlichen Gebieten. Nimm das, Emsland!

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